jeudi 6 juin 2013




Auf den Fremden hören

König David meinte es sicher gut, als er dem Propheten Natan von seinem Plan sprach, dem Ewigen doch auch ein Haus zu bauen, so wie er, der König, sich eines aus Zedernholz gebaut hat. Was für den König recht ist, soll für Gott nur billig sein. 
 
Natan, der dieses Ansinnen Gott vorlegte, kam mit negativem Bescheid zu David zurück. Durch all die Jahre hindurch ist Gott in einem Zelte wohnend mit seinem Volk gegangen und nie hat er den Wunsch geäussert, in einem Haus zu wohnen. Gott lässt sich  nicht einschliessen. Er möchte mit seinem Volk sein, wohin immer es geht. Dazu genügt ein Zelt, wie auch die Menschen in Zelten wohnen. Ein Palast würde ihn nur blockieren.
Jahre später setzte König Salomo Davids Absicht doch durch: Er baute Gott einen Tempel. 

Das 1. Buch der Könige, Kapitel 8, berichtet nicht nur von der Ansprache Salomos an die Gemeinde anlässlich der Tempelweihe, sondern zitiert auch des Königs ganz persönliches Gebet und seine Gebete für das Volk. Seine Bitte geht aber noch darüber hinaus, wenn er zu Gott betet: „Auch den Fremdling, der nicht zu deinem Volk gehört und von fernen Ländern kommt und hier betet, mögest du, Ewiger, erhören und alles tun, um was der Fremdling zu dir ruft.“

Fast hat man den Eindruck, Salomo wolle das Ansinnen Davids in korrigierter Fassung vorlegen: Gott soll in einem Hause wohnen, aber auch die Fremden sollen dort bei ihm Gehör finden.
Der christlichen Gemeinde in Korinth ruft der Apostel Paulus zu: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid…?“ (1 Kor 3,16)

Offensichtlich haben wir Christinnen und Christen das vergessen, sonst hätten wir ein besseres Gehör für die Fremdlinge in unserer Mitte und für die Fremden, die von fernen Länder kommen.

Hermann-Josef Venetz

samedi 18 mai 2013

Fragen zum nachdenken

 

Zwei fast vorwurfsvolle Fragen begleiten den Übergang von der Zeit Jesu in die nachösterliche Zeit. Es sind die Boten Gottes, Engel, die diese Fragen stellen. Sie wollen von gewissen Erwartungen ablenken und auf das Wesentliche aufmerksam zu machen.
Die erste Frage richten die Boten an die Frauen, die am Ostermorgen zum Grabe Jesu kommen: Was sucht ihr den Lebenden unter den Toten? (Lukas 24,5)

Die zweite Frage richten sie an Jesu Jüngerinnen und Jünger am so genannten Himmelfahrtstag: Ihr Leute von Galiläa, was steht ihr da und starrt zum Himmel hinauf? (Apostelgeschichte 1,11)

Ob diese Fragen nicht auch an uns gerichtet sind? Suchen wir Jesus vielleicht am falschen Ort? Unter den längst Verstorbenen? Gewiss ein bedeutender Mann, aber doch einer, der vor 2000 Jahren gestorben ist und uns in dieser sich so rasch verändernden Welt kaum noch etwas zu sagen hat?
 
Oder suchen wir Jesus im Himmel? Was soll er denn da oben? Schaut er interesselos zu, wie die Menschen da unten sich abstrampeln?
Die Frage »Wo ist denn Gott und sein Messias?« treibt auch gläubige Menschen um, und zwar immer wieder.

Vor vielen Jahren sass ich  als Aushilfspriester im Beichtstuhl einer Pfarrkirche. Ein  Junge klagte sich an: »Ich habe beim Beten nicht immer an Gott gedacht.« Da ich wusste, dass die entsprechende Frage im Beichtspiegel zu lesen war, wollte ich wissen, wie der Junge die Frage verstand und wollte so mit ihm ins Gespräch zu kommen. Ich fragte ihn: »Wo meinst du denn, wo dieser Gott ist, an den du beim Beten denken solltest?« Durch das Gitter des Beichtstuhls sah ich, wie er mit dem Finger nach oben zeigte und dabei sagte: »Da obena« (da oben). Aber sogleich unterbrach er sich selbst, so als ob er merkte, dass die Antwort nicht besonders gut war: »Nei, wartet emal.« (Nein, warten Sie mal) Dann sagte er mit überzeugend fester Stimme: »In minem Härz.« (in meinem Herzen)
Die Frage nach dem Wann und Wo muss auch zur Zeit Jesu in der Luft gewesen sein. Jesus antwortet: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es berechnen kann. Man kann auch nicht sagen: Schau hier ist es oder dort. Merkt euch: Das Reich Gottes ist mitten unter euch. (Lukas  17,20-21)

Die Antwort Jesu und die des Jungen sind voneinander gar nicht so weit entfernt. Vielleicht sollten wir Erwachsenen und Gescheiten – gerade jetzt an Pfingsten – mehr auf die Jungen hören...
Hermann-Josef Venetz

dimanche 21 avril 2013

For a little while we will have to do without the contribution of our common friend, Hermann-Josef Venetz. Yesterday, he moved from Fribourg to Sankt Jodern, Wallis, his natal « homeland ». But again a little while and he'll be with us sharing his precious Sunday reflections. May the Walliserland be kind to him ! For this Sunday I venture to offer this to him and to his readers :

Méditation dominicale

 Pour un peu de temps, nous devrons nous passer du billet  de notre ami commun, Hermann-Josef Venetz. La raison : il déménage aujourd’hui depuis Fribourg jusqu’en Valais, sa région natale. Et j’espère que ses « ruminations » théologiques le long des sentiers valaisans nous reviendrons bientôt. 
 
Noch bist du da 

Wirf deine Angst 
in die Luft 

Bald 
ist deine Zeit um 
bald 
wächst der Himmel 
unter dem Gras 
fallen deine Träume 
ins Nirgends 

Noch 
duftet die Nelke 
singt die Drossel 
noch darfst du lieben 
Worte verschenken 
noch bist du da 

Sei was du bist 
Gib was du hast 

Autorin: Rose Ausländer

Pour aujourd’hui, j’ai repensé à la belle œuvre de bronze de Timothy Schmalz : Jésus SDF allongé sur un banc hébergé chez les Jésuites de Regis College à Toronto, publié hier vendredi. 
 

Ne serait-il pas plus chrétien et audacieux même, de révérer les clochards, les mendiants/mendiantes couchés sur nos bancs publics. Prier les autorités ecclésiastiques de nos Eglises de les accueillir, de les recueillir tels qu’ils/elles sont dans nos Eglises et nos temples et dans nos monastère et nos couvents ?  C’est vrai qu’ils ne sont pas en bronze, ils sont en chair et en os, ils ont faim … ils sont nus, malades, en prison, étrangers, demandeurs d’asile « récalcitrants peut-être »… la voix de Jésus, leur voix, nous arrive comme l’écho de ce qu’Il a vécu chez les siens en Palestine, et, très actuelle, de ce qu’il vit chez nous… Matthieu 25,31-46

samedi 13 avril 2013




Wenn du betest...

Wenn du betest, bete im Verborgenen. Geh in deine
Kammer und schließ die Tür; dann bete zu deinem
Gott. Mach nicht viele Worte. Gott weiß, was du
brauchst. Bete so:
Vater im Himmel.
Geheiligt sei dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe.
Gib uns täglich, was wir nötig haben.
Vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir denen verzeihen wollen, die an uns schuldig geworden sind.
Gib uns Kraft in der Versuchung.
Befreie uns vom Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. (nach Matthäus 6,6 –13)

Die Kammer, in die sich der Beter zurückziehen soll, ist die Vorratskammer. Sie hatte keine Fenster, war dunkel und man konnte sie abschließen. Kein besonders liturgischer Raum. Dafür roch es nach Öl und Wein, nach Arbeit und Leben, nach Freude und Dankbarkeit. Ganz zurückgezogen in diese Kammer kann ich zur himmlischen Mutter, zum himmlischen Vater beten. Das Gebet erträgt keine Zuschauer. In dieser Kammer habe ich Gott auch nichts vorzuweisen – außer dem, was er mir selber gibt. Mit leeren Händen stehe oder sitze ich da, ganz dem ausgeliefert, der ins Verborgene sieht. Wehrlos, machtlos und ganz unmittelbar
Hermann-Josef Venetz


samedi 6 avril 2013




Selbstverleugnung?


Jesus rief die Volksmenge und seine Jünger und  Jüngerinnen zu sich und sagte: Wer mir nachfolgen will, verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten. Denn was nützt es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen, dafür aber sein Leben einzubüßen? (Markus 8,34 –35)

Sich selbst verleugnen? Blicken wir auf Jesus, ging es ihm doch darum, Menschen zu befreien, sie zu sich selbst zu bringen, ihnen ihren Namen und ihre Geschichte zurückzugeben. Das Selbst, das diejenigen,  die Jesus nachfolgen, verleugnen sollen, ist jenes Selbst, das im Grunde sich selbst entfremdet ist, unfrei,  ja besessen – sei es von den eigenen ehrgeizigen Plänen und Ambitionen, sei es vom eigenen Karrieredenken auf dem Rücken anderer, sei es vom Besitz, der auf Kosten der Armen angehäuft wird.  Von diesem falschen Selbst sollen sich Jesu Jüngerinnen und Jünger verabschieden. Dann werden sie wahrhaft frei.
Auch das tägliche Kreuztragen sollte keinen selbstquälerischen Beigeschmack haben. Zum besseren Verständnis sollten wir Kreuztragen und Nachfolge miteinander verbinden. Jesus nachfolgen bedeutet, das Anliegen Jesu teilen, sein Anliegen zum eigenen machen. Menschen wie Jesus, Menschen, die so leben wie er, Gerechte, wie man sie auch nennt, werden ihre Umgebung immer verunsichern und herausfordern, sei es religiös oder gesellschaftlich oder politisch – was dann eben entsprechende Folgen nach sich ziehen kann. Die sehr hart klingenden Forderungen Jesu sind im Grunde genommen Einladungen zu größerer Freiheit, zu jener Freiheit, wie Jesus sie gelebt hat.

Hermann-Josef Venetz

samedi 30 mars 2013

 

Gott bin ich und kein Mann

So spricht der Ewige: Als Israel jung war, gewann ich es lieb und führte es als meinen Sohn aus Ägypten heraus. Aber sie liefen von mir weg. Immer wieder schickte ich Propheten zu ihnen, die sie zurückrufen sollten. Aber sie wollten nicht. Sie opferten lieber Göttern, die sie sich selbst gemacht haben, dem Baal und dem Mammon. Dabei habe ich sie doch gehen gelehrt, auf meinen Armen getragen und sie wie Säuglinge an meine Wangen gehoben. Mit Banden der Güte zog ich sie an mich. Aber sie erkannten nicht, wie innig ich sie liebte, wie sehr ich mich um sie kümmerte. Sie wandten sich ab und riefen zu Baal. Als ob dieser ihnen helfen könnte! Mein Volk ist mir untreu geworden.
Und doch: Wie könnte ich dich, Israel, im Stich lassen? Wie könnte ich dich vernichten? Schon der Gedanke daran bricht mir das Herz und ich empfinde tiefstes Mitleid mit dir. Denn ich bin Gott und kein Mann. Ich, der Heilige, komme um dich zu retten. Und eines Tages wirst du mir nachfolgen und ich werde dich zurück in deine Heimat führen.
(nach Hosea 11,1 –7)

Gott liegt mit sich selbst im Streit. Wehmütig und enttäuscht zählt er all das auf, was er für sein Volk getan hat: Er hat es lieb gewonnen, hat es aus dem Sklavenhaus befreit, hat es auf Armen getragen und sich um es gekümmert, aber es wandte sich von ihm ab und wollte nichts von ihm wissen. Sollte er nicht Gleiches mit Gleichem vergelten? Sollte er es nicht im Stich lassen? Sollte er seinem berechtigen Zorn nicht freien Lauf lassen?
Er kann es nicht. Es würde ihm das Herz brechen. Es würde ihm aber auch gar nicht entsprechen. Rache, Vergeltung, Zorn – das alles ist Männersache. Gott ist anders.

Hermann-Josef Venetz

samedi 23 mars 2013


Wiederkehr der Religion?

 Diese Frage wird in letzter Zeit oft und heiss diskutiert. Die einen freuen sich, andere ängstigen sich, den meisten ist es egal.

Der Begriff »Religion« ist mehrdeutig, wie denn auch ihr Bezugspunkt, »Gott«, mehrdeutig ist.

Mit »Gott« verband und verbindet sich seit jeher Allmacht und Stärke und Überlegenheit. Wenn Gott nicht Wunder wirken und das Böse nicht aus der Welt schaffen kann – wozu sollte er denn gut sein?

Wer einen solchen »Gott« verehrt, wird auch wie dieser mächtig, stark und anderen überlegen sein wollen. Der Konkurrenzkampf unter den Menschen verschärft sich. Auf der Strecke bleiben einmal mehr die Schwachen, die Nichtsnutze.

Wenn »Religion« diesen »Gott« meint, dann möchte ich nicht, dass sie wiederkehrt.

Die Bibel spricht von einem ganz anderen Gott.  Nicht als Allmächtiger, Starker und Überlegener stellt er sich vor, sondern als Jener, dem das Elend seines Volkes in ägyptischer Knechtschaft zu Herzen geht, der sich berühren lässt, der mit-leidet, der Partei ergreift für die Gequälten, für die Unterdrückten. Ein liebender Gott ist er und darum auch verletzlich und ohnmächtig. Ein Gott, der die Menschen um Hilfe bittet: Und jetzt geh! – sagt er zu Mose, führe mein Volk aus Ägypten heraus!... Ich werde mit dir sein. (Exodus 3,1-12)

Wenn »Religion« diesen Gott meint, dann sehne ich mich danach – und möchte mein Bestes geben.

Hermann-Josef Venetz